Tencel oder Bambus: die Unterschiede im Bett

5. Oktober 2026|Edoardo Guarise|6 Min. Lesezeit

Tencel und Bambus sind im Bett enge Verwandte: beide sind regenerierte Zellulose, und das Lösungsmittel, das sie auflöst, ist ein anderes. Lyocell, dessen bekanntestes Markenzeichen Tencel ist, gewinnt bis zu 99,7 % des Lösungsmittels zurück und ergibt einen widerstandsfähigeren Faden; Bambusviskose hält etwas mehr Feuchtigkeit fest. Im Folgenden der Vergleich Punkt für Punkt und wie man das Etikett liest.

Lyocell, was es ist und woher der Name Tencel kommt

Lyocell ist eine Zellulosefaser, die man gewinnt, indem man pflanzlichen Zellstoff direkt in einem organischen Lösungsmittel auflöst, dem N-Methylmorpholin-N-oxid, das in Fachtexten NMMO abgekürzt wird, und anschließend zu einem Filament regeneriert. Das Patent für das Verfahren stammt von 1981, die erste industrielle Produktion begann 1992 in den Vereinigten Staaten unter dem Handelsnamen TENCEL (Quelle: Felgueiras und Kollegen, Frontiers in Bioengineering and Biotechnology, 2021).

Tencel ist also eine Marke, und die Faser heißt Lyocell. Tencel und Bambus zu vergleichen heißt, ein Verfahren mit einem Rohstoff zu vergleichen, und die richtige Frage lautet eigentlich: Lyocell oder Viskose.

Die Bambuspflanze kann nämlich in beiden landen. Ihr Zellstoff kann mit dem Viskoseverfahren oder mit dem Lyocellverfahren aufgelöst werden, und im fertigen Gewebe bleibt von der Ausgangspflanze keine Spur (Quelle: FTC, How to avoid bamboozling your customers). Es gibt also Laken aus Bambus-Lyocell, selten, und solche aus Bambusviskose, die Mehrheit.

Zusammengefasst

  • Lyocell und Viskose sind beide regenerierte Zellulose; Tencel ist der Handelsname, der 1992 mit der ersten industriellen Produktion von Lyocell entstand (Quelle: Frontiers in Bioengineering and Biotechnology, 2021)
  • Das Lyocellverfahren gewinnt bis zu 99,7 % des Lösungsmittels zurück; beim Viskoseverfahren werden bis zu 70 % des Schwefelkohlenstoffs wiederverwendet, und der Rest wird in Schwefelsäure umgewandelt, die ebenfalls zurückgewonnen wird (gleiche Quelle)
  • Trocken hält der Lyocellfaden 472-624 MPa aus, gegenüber 220-340 MPa bei Viskose (gleiche Quelle)
  • Unter Standardbedingungen hält Bambusviskose 13 % ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit fest, Tencel 11 %, recyceltes Polyester 0,4 % (Quelle: Journal of Natural Fibers, 2025)
  • Die Looniva-Sets bestehen aus Bambusviskose 300 TC, zertifiziert nach OEKO-TEX Standard 100 Klasse I

Dieselbe Familie, zwei verschiedene Verfahren

Viskose, Modal und Lyocell gehören zur selben Familie, den regenerierten Zellulosefasern, die Handbücher künstlich nennen, um sie von natürlichen wie Baumwolle und synthetischen wie Polyester zu unterscheiden (Quelle: Treccani, Stichwort „viscosa“) Man geht immer vom Zellstoff einer Pflanze aus und erhält ein Filament aus reiner Zellulose: der Weg ist unterschiedlich.

Das Viskoseverfahren

Der Zellstoff durchläuft Natronlauge und dann Schwefelkohlenstoff, der ihn in Cellulosexanthogenat verwandelt; dieses wird wieder aufgelöst und in einem sauren Bad versponnen, das die Zellulose regeneriert. Der Schwefelkohlenstoff ist der heikle Punkt: Heute werden bis zu 70 % davon wiederverwendet, und der Rest wird zu Schwefelsäure, die ebenfalls zurückgewonnen wird (Quelle: Felgueiras und Kollegen, 2021).

Das Lyocellverfahren

Hier geht die Zellulose über keine Zwischenverbindung: Sie löst sich direkt im Lösungsmittel auf, in der Wärme, und die Lösung wird in Wasser versponnen. Das Lösungsmittel wird aus dem Bad zurückgewonnen und kehrt in den Kreislauf zurück, bis zu 99,7 % (gleiche Quelle). Die Grenze ist technischer Art: Das Lösungsmittel ist wärmeempfindlich und braucht Stabilisatoren.

Wer verstehen will, wie man eine korrekt deklarierte Bambusviskose erkennt, findet die Methode im Leitfaden zu wie man echte Bambusviskose erkennt.

Der Vergleich Punkt für Punkt

Merkmal Lyocell (Tencel) Bambusviskose
Familie Regenerierte Zellulose Regenerierte Zellulose
Lösungsmittel NMMO, direkt aufgelöst Natronlauge und Schwefelkohlenstoff
Rückgewinnung des Lösungsmittels Bis zu 99,7 % Schwefelkohlenstoff bis zu 70 %
Festigkeit trocken 472-624 MPa 220-340 MPa
Feuchtigkeit gebunden 11 % 13 %
Griff glatt, etwas trockener weich und fallend
Waschen schonend, niedrige Temperatur schonend bei 30 Grad

Die Verfahrens- und Festigkeitsdaten stammen aus dem Übersichtsartikel von Felgueiras und Kollegen (2021), die Feuchtigkeitsdaten aus dem Journal of Natural Fibers (2025). Zwei Prozentpunkte Feuchtigkeit unter dem Laken spürt man kaum; den Unterschied zu synthetischen Fasern spürt man. Den Vergleich mit der dritten Schwester der Familie findet man im Leitfaden zu Bambus und Modal, was weniger wärmt.

Tencel für Laken: das Verhalten nachts

Beim Anfassen ähneln sich ein Laken aus Lyocell und eines aus Viskose stark: Beide haben lange, gleichmäßige Fasern ohne die kurzen Enden, die bei Baumwolle an der Oberfläche bleiben, und deshalb wirken sie beim ersten Kontakt glatt und frisch. Lyocell ist etwas trockener, die Viskose weicher und fallender.

Für das nächtliche Frischegefühl zählt vor allem, wie viel Feuchtigkeit der Stoff von der Haut aufnehmen kann. Hier liegt Bambusviskose mit 13 % vor Tencel mit 11 %. Wer den Stoff gerade deshalb wählt, weil er nachts warm schläft, findet die vollständige Überlegung im Leitfaden zu Laken für Menschen, die nachts schwitzen.

Die Haltbarkeit hängt von der Festigkeit des Fadens ab, und hier ist Lyocell robuster: trocken fast doppelt so fest. In der Praxis gleicht die Viskose das mit schonenderer Wäsche aus, Schonprogramm bei 30 Grad, kurzes Schleudern und kein Trockner, wie der Leitfaden zu Bambuslaken richtig waschen, ohne sie zu beschädigen. Auch Lyocell verlangt einen schonenden Zyklus, denn die Oberfläche des Fadens neigt im nassen Zustand beim Reiben dazu, sich zu einem hellen Flaum aufzufasern.

Was man auf dem Etikett schreibt und liest

Auf dem Etikett wird die Zusammensetzung mit dem Namen der Faser angegeben, „Lyocell“ oder „Viskose“, bei Bedarf mit der Ausgangspflanze; Tencel steht daneben als Marke. Die häufigen Fälle sind drei:

  • „100 % Lyocell“ mit der Marke Tencel: Es ist Lyocell, meist aus Eukalyptus- oder Buchenholz.
  • „100 % Lyocell aus Bambus“: gleiches Verfahren, anderer Rohstoff, und auf dem italienischen Markt ist das selten zu finden.
  • „100 % Viskose aus Bambus“: Das ist der Stoff der meisten Bambuslaken, und die Zertifizierung, auf die man bei Schadstoffrückständen achten sollte, ist OEKO-TEX Standard 100.

Eine Angabe wie „Bambusstoff“ ohne den Namen der Faser sagt nicht, welches Verfahren verwendet wurde, und die US-Wettbewerbsbehörde hält sie genau deshalb für irreführend (Quelle: FTC). Die Zusammensetzung der Looniva-Sets steht im Datenblatt: Bambusviskose 300 TC, und das komplette Set mit Spannbettlaken, Oberlaken und Kissenbezügen kostet 129 € in der Einzelbettgröße und 169 € in der Doppelbettgröße.

Wann die eine und wann die andere Faser passt

  • Lyocell eignet sich für alle, die das Herstellungsverfahren und die Festigkeit des Fadens an erste Stelle setzen und einen etwas trockeneren Griff akzeptieren.
  • Bambusviskose eignet sich für alle, die den weicheren Griff und die bessere Feuchtigkeitsregulierung der Familie suchen und schonend waschen.

Den Überblick über alle Fasern, Baumwolle, Leinen und Seide inbegriffen, bietet der Leitfaden zu welchen Stoff man für Laken wählen sollte.

Häufige Fragen

Ist Tencel oder Bambus besser für Laken?

Das kommt darauf an, was man bevorzugt. Tencel, also Lyocell, hat ein Verfahren, das bis zu 99,7 % des Lösungsmittels zurückgewinnt, und einen widerstandsfähigeren Faden; Bambusviskose ist weicher und hält 13 % ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit fest, gegenüber 11 % bei Tencel. Im Griff liegen die beiden sehr nah beieinander.

Ist Lyocell eine natürliche Faser?

Es ist eine Faser pflanzlichen Ursprungs mit chemischer Verarbeitung. Die Zellulose stammt aus Holz oder Bambus, der Faden entsteht durch Auflösen in einem Lösungsmittel und Regenerieren; daher steht Lyocell zwischen den künstlichen Fasern, in derselben Familie wie Viskose und Modal.

Sind Tencel und Lyocell dasselbe?

Tencel ist eine eingetragene Marke, Lyocell ist der Name der Faser. Der Name entstand 1992 mit der ersten industriellen Produktion von Lyocell, und heute wird er als Synonym verwendet. Auf dem Etikett muss die Faser aber immer als Lyocell angegeben werden, die Marke gegebenenfalls daneben.

Woraus bestehen die Laken von Looniva?

Aus Bambusviskose 300 TC, zertifiziert nach OEKO-TEX Standard 100 Klasse I. Das Verfahren ist das der Viskose, das den weichsten, fallendsten Griff der Familie ergibt und 13 % des Gewichts an Feuchtigkeit festhält. Sie werden in der Waschmaschine im Schonprogramm bei 30 Grad gewaschen,und bei jeder Bestellung ist die Rückgabe innerhalb von 30 Tagen möglich, wenn sie ungenutzt ist..

Edoardo Guarise

Aktualisiert am 10. Oktober 2026|6 Min. Lesezeit

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